Sonntag, 17. Februar 2013

Du bist, was du isst.

Doch wer weiß heutzutage noch, was genau er da isst. Schinken besteht heutzutage hauptsächlich aus Wasser. In Käse ist gar keine Milch mehr, wenn es sich überhaupt noch um so etwas wie Käse handelt.  Und seit neustem ist in Rindfleisch ein Pferd zu finden.

Alles Lebensmittel-"Skandale" aus den letzten paar Jahren.

Wenn man den Medien glauben darf, kann man bald nichts mehr essen, ohne das zu bekommen, was man eigentlich bestellt oder gekauft hat, oder man findet in naher Zukunft den Hinweis "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Zutaten-Liste, oder verzichten sie auf Billig-essen und kochen mal wieder richtig.".
Zum Beispiel habe ich hier mal eine Dose Tomatensuppe neben mir stehen. Bekannt wurde diese, weil Warhol sie mal gemalt hat. Und Globalisierung sei Dank ist auch hier ein Inhaltsverzeichnis dabei. Der Einfachheit halber, werde ich die nur auf Englisch abtippen, das wichtigste versteht man sowieso. (Nach der Arbeit will ich nach Möglichkeit nicht mehr zweisprachig denken...)

- Tomato puree (Water, Tomato paste)
- Water
- High fructose corn syrup
- Wheat flour
Contains less than 2% of:
- Vegetable oil (Corn, Cottonseed, Canola and/or Soybean)
- Salt
- Potassium Chloride (auf deutsch: Kaliumchlorid)
- Lower sodium natural salt
- Flavoring,
- Citric acid (E330) (Acidity regulator),
- Ascorbic acid (Vitamin C),
- Potassium phosphate (E340) (Flavoring)

Ist jetzt kein besonders gutes Beispiel, aber schon mal 2 E-Nummern. Es gibt Nahrungsmittel, die deutlich mehr davon haben. Was diese E-Nummern überhaupt bedeuten, weiß ja eh kein Mensch. Doch zum Glück gibt es das Internet und dort gibt es unter anderem auch frei zugängliche Datenbanken, in denen diese E-Nummern aufgeschlüsselt werden. Eine davon ist zusatzstoffe-online.de wo man nach Nummer oder nach Wirkung oder Name suchen kann. Vermeiden lassen sich die E-Nummern nämlich leider auch nicht. So wird zum Beispiel ein Gericht haltbar oder es sieht nach dem kochen noch so aus, wie vorher, oder so, wie man es sich vorstellt oder in der Werbung sieht. Immerhin ist man in seiner eigenen Küche ja nicht bei McDonalds. Auch wenn es dort seit neustem Currywurst gibt. Die ersten Erfahrungsberichte, die ich gelesen habe sind allerdings vernichtend. Naja, was will man erwarten, wenn schon Schubeck und Hoeneß Werbung für die Frittenbude machen und ihren teilweise doch guten Namen so in den Dreck ziehen lassen wollen. Aber ich schweife ab.

Was kann man noch bedenkenlos essen? Oder trinken? Selbst bei Getränken findet man das Problem überall, dass man nicht nachvollziehen kann, was genau man da eigentlich trinkt. Beispiele:
- Red Bull mit 19 erwähnten Inhaltsstoffen
- Coca Cola mit 7 Zutaten, die in den Emiraten aber nicht genauer erwähnt sind sondern nur sehr oberflächlich behandelt werden und Pepsi noch sparsamer mit Verbraucherangaben. Kann sein, dass es auf arabisch auf den Dosen steht, aber auf englisch sind KEINE Inhaltsstoffe vermerkt.
Ein Klassiker, wo man sich sicher sein kann, was drin ist besteht aus: Malz, Hopfen, Hefe und Wasser. Allgemein bekannt als Bier. -Dem deutschen Reinheitsgebot sei Dank.-  Leider sieht es beim Wein nicht so gut aus. Vor 20-25 Jahren fand man Frostschutzmittel in Wein und vor kurzem wurde Schwefelwasser aus Assmannshausen in Flaschen abgefüllt und für teures Geld verkauft.

Wie das Pferd jetzt genau in das Rindfleisch kam, bleibt abzuwarten. Denn frei nach der Devise "Wenn man nicht mehr weiter weiss, macht man einen Arbeitskreis." haben deutsche und europäische Regierungen beschlossen, dem Skandal schnellstmöglich auf die Schliche zu kommen.. Das Ergebnis lasse ich mal offen.
In der Ursache vermute ich aber den anhalten Preis- und Konkurrenzkampf im Discounter. Man muss immer billiger und immer mehr Ware anbieten. Alles muss in einem Laden verfügbar sein, weil die Menschen nach einem 16 Stunden Arbeitstag bei Mindestlohn von 7,50 Euro brutto die Stunde nicht auch noch Stunden lang von einem Laden zum anderen hetzen wollen. Da auch die Subventionen der EU immer weiter gestrichen werden, muss das Fleisch verschnitten werden, erwischt werden ja nur die anderen.
Die andere Folge dieses Billig-Denken ist, dass die privaten Metzgereien, Bäckereien oder Tante-Emma-Läden immer weiter von der Bildfläche verschwinden und es immer öfter so aussieht, wie im Rheingau, wo in bald jeder Ortschaft ein EDEKA, PENNY, LIDL oder was auch immer neben dem anderen steht. Anstatt Qualität zu kaufen, wird lieber Quantität gekauft. Oder halt etwas weniger für kleines Geld, weil ansonsten noch so viel Monat zu Ende des Geldes übrig ist.

Ganz faszinierend ist es aber immer noch bei den "Likörchen". "Achtung, Wild" -der bekannte Kräuterlikör, der unter anderem erster Trikotsponsor in der Bundesliga bei Eintracht Braunschweig war- besteht aus Kräutern, die im Werksnahen Stadtwald wachsen... Ahja. Wenn ich mal die Mengen sehe, die von diesem Gesöff weltweit unterwegs sind, ist das entweder ein sehr großer und ergiebiger Wald (UNWAHRSCHEINLICH), oder aber es wird gemogelt (EHER). Aus meiner Zeit bei einer bekannten Schweizer Destillerie kenne ich den Unterschied zwischen einem Brand, einem Geist und einem Likör.
Ein Brand ist ein reines Destillat, dass mit Hilfe von Wasser von ca. 96%Vol. Alkohol auf ein trinkbares Gefüge "eingestellt" wird.
Ein Geist ist prinzipiell das gleiche, allerdings darf hier Alkohol, bzw. Zucker vor der Gärung, hinzu gegeben werden.
Ein Likör ist: Man nehme... "Wasser, Alkohol, Aromen (künstlich oder natürlich), und eventuell noch Zucker- also Lebensmittelfarbe.
Das aber nur so als Randnotiz und vermutlich widme ich mich in der nächsten Ausgabe mal dem vorhin angesprochenen Billiglohn-gehabe in Deutschland.

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