Bereits den gesamten Abend unterhalte ich mich mit Freunden und Bekannten über "Den Hobbit - Eine unerwartete Reise" und die Tatsache, dass ich mir den Film morgen im Kino ansehen will.
Dabei fiel mir auch wieder ein, dass ich am 23. November darüber berichtet hatte (Klick), dass die Tolkien-Erben Warner bzw. New Line Cinema auf 80 Mio. US-$ verklagt haben wegen der Online-Vermarktung des Filmes. Dies sollen die Tolkien-Erben zwar auch nur aus einer fehlgeleiteten Email erfahren habe, wo ich mir dann denke, wenn dem so ist.... In welcher Welt leben die? Mittelerde?
Spaß beiseite. Mich interessiert jetzt, was bei diesem Prozess herausgekommen ist. Meine Online-Recherche (kurz) ergab: NICHTS! Ich vermute einfach mal ins Blaue hinein, dass man sich aussergerichtlich geeinigt hat und diverse Millionen US-Dollar den Besitzer gewechselt haben.
Die Tatsache, dass man darüber aber nichts erfahren hat regt mich nicht so auf wie etwas anderes. Ich hätte es einfach nur interessant gefunden. Aber vermutlich ist es mal wieder unserer schnelllebigen Zeit vor den Computern zu verdanken, dass man nichts davon mitbekommen hat. Griechenland und andere Themen wie z.B. die vor kurzem beschlossene Werkschliessung von Opel in Bochum sind natürlich wesentlich näher und für manche Menschen auch ein drastischer Eingriff in ihr Leben. Wogegen ich aber auch die Meldung über Kate´s Schwangerschaft (Englische Thronfolge Nummer XY) nicht für ganz so wichtig halte. Im modernen, demokratischen Europa hat sich nun mal die Monarchie bereits selbst überholt, aber man beachtet den Königshof immer noch sehr genau. Soll aber nicht mein Problem sein. Freunde von mir sind Eltern geworden und auch innerhalb der Familie gab es Nachwuchs. Interessiert das jemanden außer den unmittelbar betroffenen? Ich glaube eher nicht.
Was ich aber heute -bei der Suche nach dem Urteil im Verfahren Tolkien gegen Warner- gefunden habe, versetzte mich so in Wut, dass ich unmittelbar danach angefangen habe diesen Blog zu schreiben.
Ich habe Tolkiens Werk Mitte der 90er verschlungen. Innerhalb von 2 Wochen war ich durch den Hobbit und den Herr der Ringe durch. Wer die Bücher kennt, weiß von welchen Dimensionen ich gerade rede. Ohne es nachprüfen zu können, würde ich mal sagen, dass es so zirka 1600 Seiten waren. Es hat Spaß gemacht zu lesen und ich stimmte zu dem damaligen Zeitpunkt zu, dass das Gesamtwerk nicht verfilmbar sei.
Mittlerweile hat sich einiges getan in der Filmbranche und auch was die Computertechnik angeht. Waren Handys damals noch so groß wie Telefonzellen, muss man heute 2 Stunden suchen um sicher zu sein, dass man es nicht irgendwo liegen gelassen hat.
Tja. In den 2000er Jahren kam dann auf einmal Peter Jackson um die Ecke und erzählte uns, dass Mittelerde in Neu Seeland liegt. Ein Land, dass ich seit je her schonmal besuchen wollte und es bis heute nicht geschafft habe. Die 3 Filme mit je etwas mehr als 3 Stunden Spielzeit waren schon nicht schlecht, aber es gab doch die ein oder andere Veränderung. Warum muss ich eine Liebesgeschichte mit Happy End einbauen, wo es in der Vorlage gar keine gibt? Das bleibt wohl entweder sein Geheimnis oder es war dem Mammon Tribut gezollt. Ohne Liebesgeschichte bekommt man ja nicht mal den legendärsten aller Luxusliner wieder zum versinken, obwohl er einen Eisberg getroffen hat.
Aber auch mit diesen Änderungen konnte ich in einem gewissen Maß leben und sie sogar akzeptieren. Manche Bücher lassen sich nun mal nicht 1:1 umsetzen.
Beispiel: In "Die zwei Türme" (2. Teil Herr der Ringe; Bücher 3 und 4) tauchen Frodo und Sam nicht einmal auf. Versuch mal einen Film aus einer "Serie" zu verkaufen, in dem dein Hauptdarsteller nicht eine Sekunde auftaucht...
Was Peter Jackson nun aber mit "Der Hobbit" angestellt hat, geht eigentlich gar nicht. (Und trotzdem werde ich wohl ins Kino rennen...) Der Film wurde anstelle der üblichen 24 fps (frames per second = Bilder pro Sekunde) mit 48 fps -also doppelt so schnell- gedreht. Dafür braucht man dann vermutlich auch wieder zum Abspielen extra Geräte, die vermutlich einen elend hohen Betrag von den Kinos abverlangt. Weiterhin war nach den ersten Reviews zu lesen, dass die Bilder übertrieben wirken würden und man mit Kopfschmerzen das Kino verlassen würde, und so weiter. Es würde alles künstlich wirken, die Farben verfälschen und was weiß ich nicht noch alles. Falls ich es in meinem relativ straffen Zeitplan ins Kino schaffen sollte, werde ich euch auf jeden Fall meine Eindrücke vermitteln.
Was mich aber am allermeisten stört, ist die Tatsache, dass neben diversen Online-Spielen und Facebook-Seiten usw. dass "Der Hobbit" -ein Buch von ungefähr 350 Seiten- ein DREITEILIGER FILM wird!
Abgesehen davon, dass mir meine Salzstangen quer im Hals hingen und ich einen elenden Hustenanfall bekommen habe, geht das meiner Meinung nach gar nicht. Das hat vielleicht funktioniert als Sheherazade ihrem Khalifen diverse Geschichten über eintausendundeine Nacht erzählt hat, aber nicht für ein Buch, dass die Vorgeschichte zu einem Dreiteiler mit dem vielfachen Volumen ist.
Das Konzept "Star Wars" funktioniert nicht immer. Ich habe gestern mit einem Kollegen darüber sinniert, was passiert wäre, wenn die ersten drei Teile (Episoden 4, 5 und 6) kein Erfolg geworden wären... Wir wären vermutlich von den Episoden 1 bis 3 verschont geblieben. Aber der Erfolg gab George Lucas (leider) Recht. Wir kamen weiterhin überein, dass dieses Fortsetzungskonzept nur bei sehr wenigen Reihen -wie zum Beispiel Star Trek- funktioniert. Allerdings gibt es auch dort Lücken und Probleme.
Meiner Meinung nach hat sich in den letzten 10 Jahren nicht mehr so viel in FX- und Filmtechnologie getan, wie in den 40 Jahren zuvor, was die Frage aufwirft:
WARUM WURDE "DER HOBBIT" UND "HERR DER RINGE" NICHT CHRONOLOGISCH GEDREHT?
Ich muss leider zu meiner Schande selber eingestehen, dass ich zu sehr Fan bin um mir diesen Film auf Großleinwand entgehen zu lassen. Ich werde -wie bereits erwähnt- meine Meinung zu dem Film hier schreiben und ich versuche weiterhin objektiv zu bleiben. Aber leider ist bereits jetzt meine Vorfreude auf den Film getrübt. Das hat mehrere Gründe...:1) Muss ich jetzt wieder jeweils 1 Jahr warten, bis ich den nächsten Teil zu sehen bekomme?
2) Warum war es nicht möglich einen Film daraus zu machen, wenn man schon in der folgenden Geschichte so viel geändert hat?
3) Warum muss man bei solchen "Monumentalen" Projekten unbedingt neue, unerprobte Technologien zum Einsatz bringen? (Stichwort: 48 fps)
4) Warum das Gezänk mit den Tolkien-Erben erst öffentlich machen, wenn man anschliessend alles unter den Tisch kehrt?
Ich hoffe, dass ich noch meinen Spaß an dem Film haben werde.
Für alle, die noch keinen ersten Eindruck von dem Film haben, verlinke ich mal den Trailer aus dem Englischen. So wie ich mir den Film morgen ansehen werde (allerdings ohne arabischen Untertitel)
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