Donnerstag, 28. April 2011

Die Schlacht der Superlative

Mein nicht-unbedingt-Lieblingssender übertrifft sich mal wieder in eben solchen. Seit Wochen und Monaten wirbt die Medienlandschaft für das morgige „Event“. Anfangs war von der königlichen Traumhochzeit des Jahres die Rede. Mittlerweile wurde es zur Hochzeit des Jahrhunderts hochstilisiert. Na gut. Das Jahrhundert/Jahrtausend ist noch nicht sooo alt. Das kann also immer noch überboten werden, womit bei der nächsten königlichen/adligen Hochzeit das Thema wieder aufgegriffen werden kann.
Doch blicken wir ein wenig zurück. 2002 heirateten Maxima und Prinz Willem-Alexander in den Niederlanden. Dies war schon eine Traumhochzeit die Weltweit übertragen wurde. Oder letztes Jahr, als Prinzessin Victoria von Schweden ihrem Daniel Westling das Ja-Wort gab. Auch ein Mega-Event. Und wenn wir nach vorne blicken, steht das nächste adlige Ja-Wort bevor. Wenn wir uns erinnern hat sich Prinz Albert von Monaco mit Charlene VOR William und Kate verlobt, aber der Termin wurde nach dessen Hochzeit verlegt. Keine Ahnung, warum der Windsor-Spross es so eilig hat mit dem heiraten, aber wenn er meint. Jeder wie er denkt. Ist vielleicht auch ganz gut um die englische Monarchie mal wieder ins Leben zu rufen. Die tote Königin der Herzen ist ausgeschlachtet worden und wirft keine neuen Nachrichten mehr ab. Charles und Camilla sind mittlerweile auch akzeptiert und verhalten sich unauffällig und mit Queen Mom hat die letzte polarisierende Persönlichkeit der Windsors leider vor einiger Zeit das zeitliche gesegnet. Keine Nachrichten, keine Skandale, nichts Neues aus dem englischen Königshaus. Da hilft es auch nicht, wenn man zu einer Karnevalsparty in einer NSDAP-Uniform aufläuft um aufzufallen. Ein paar Tage Medienpräsenz, und danach wieder ab in die Versenkung. Da ist so eine Hochzeit schon ein tolles und großes Marketingevent. Und RTL haut voll drauf und schöpft aus den vollen.
Ein Online-Hochzeitsbuch, das seit Wochen in jeder möglichen und unmöglichen Sendung angepriesen wird wie saures Bier. Da hilft es auch nicht, dass man es versucht zu einem Weltrekord zu bringen. Zum einen ist das Gratulationsbuch auf facebook, wofür eine Registrierung nötig ist. Macht ja nichts, denn es sind ja mittlerweile gefühlte 10 Milliarden Nutzer auf facebook registriert. Und was bringt einem dieses Buch mit Videos und Glückwünschen für das Brautpaar, wenn nahezu alle Beiträge auf Deutsch sind? Werden die noch übersetzt? Ich wage zu bezweifeln, dass diese Beiträge alle fehlerfrei sind, oder Kate und William so gut unsere Sprache können um das alles zu verstehen. Geschweige denn, dass sie es sich ansehen werden.
Die aggressive Werbung für die Livesendung. „Bei uns sehen Sie alles“ und „Näher dran ist nur die Queen“. Wenn ich so Schlagworte und Slogans vor meiner Hochzeit hören würde, hätte ich ähnlich wie Kate Angst davor NACKT in der Westminster Abbey aufzutauchen. Toll. Vielen Dank auch für diese Info liebe selbsternannte Königshaus-Experten. Wer seid Ihr überhaupt? Warum habe ich noch nie was von euch gehört? Andererseits geht Ihr mir sowas von am allerwerteten vorbei, dass ich es gar nicht beschreiben kann. Und wieso ist William überhaupt der begehrteste Junggeselle der Welt? Wer hat ihn dazu ernannt und wo kann ich bitte die Rangliste sehen? Falls so eine Liste existiert kann ich mich darüber freuen, da ich dann von Platz 19.452 auf 19451 hochrutsche. Ich bin begeistert!.
Was allerdings auch auffällt ist die Konsequenz mit der die Superlative durchgezogen werden. So wird zum Beispiel bei „Let´s Dance“ der Schwierigkeitsgrad von Woche zu Woche größer für die Kandidaten und das große Finale kurz bevorsteht. Hier ist es interessant zu beobachten, dass nach nahezu jeder Sendung einer der „Prominenten“ aufgibt und der Kandidat oder die Kandidatin, die letzte Sendung rausgeflogen ist, wieder zurückkommen darf und in der folgenden Sendung eine Glanzleistung abliefert, der die Jury zu wahren Jubelorgien bewegt.
Dann kommt in den nächsten Wochen auch das große Finale (schon wieder dieser Begriff) bei DSDS. Abgesehen davon, dass ich bis heute noch keinen wirklichen Superstar in dieser Sendung gesehen habe führt das ganze schon ab absurdum. Neben den gelenkten Manipulationen im laufenden Programm von RTL gibt es auch genug Seiten im Internet, die in Sozialen Netzwerken wie facebook, Spam verbreiten, dass der eine Kandidat die andere Kandidatin geschlagen hätte. Oh mein Gott. Wenn das wirklich so sein sollte, hätte RTL das bestimmt medial ausgeschlachtet und wenn wirklich was dahinter stecken würde, wäre das auch für die Staatsanwaltschaft interessant (Tatbestand der Körperverletzung). Kommen wir noch zum Thema Vorbildfunktion der Kandidaten. Wenn ich einen Vertreter der Rasse Mensch sehe, der seinen Sprachfehler sowie grammatikalische Irrtümer zu einer neuen, eigenen Sprache ernennt, verstehe ich, warum Deutschland von Jahr zu Jahr im Pisa-Test schlechter abschneidet. Mit Mitbürgern mit Migrationshintergrund kann das nicht alleine zusammenhängen. Ich kenne Türken, die besser deutsch sprechen und schreiben können, als manch deutscher Staatsbürger.
Doch Kommen wir zur Definition „Superstar“. Laut Wikipedia, reicht Prominenz allein nicht aus, um ein Star zu sein, der betreffenden Person muss auch ein gewisses Maß an Beliebtheit, Bewunderung oder Verehrung zuteilwerden (umgangssprachlich oft als „berühmte“ Personen bezeichnet). Es gibt daher eine gewisse Nähe zum Phänomen des „Helden“. Diejenigen, die den Stars besondere Bewunderung und Verehrung entgegenbringen, bezeichnet man als Fans. Die Rituale der Verehrung und Bewunderung werden auch als Kult im säkularen Sinne bezeichnet, der um die Stars betrieben wird. Ähnlich wie beim religiösen Kult nährt sich dieser Kult häufig aus einer Vielzahl von Mythen, die sich um den Star ranken. Diese Mythen und Legenden entstehen aus einer Vermischung von medienvermittelten Bildern, eigenen oft verklärten Erinnerungen, projizierten Sehnsüchten, Erzählungen anderer usw., deren Wahrheitsgehalt schwer zu überprüfen ist. Das heißt für mich, dass man nicht über Nacht zum Star oder Superstar werden kann, sondern, dass man sich diese Bezeichnung lange und hart erarbeiten muss. Und seien wir mal ehrlich. Wer begleitet uns seit Jahren durch diese Serie? Bohlen und Menderes. Bei Bohlen muss ich zugeben, dass er seit Jahrzehnten immer in den Medien ist. Auch wenn ich ihn nicht leiden kann und seine Musik fürchterlich finde, kann man ihn als Star bezeichnen. Menderes ist dieses Jahr im Recall gescheitert, aber auch weit vom Thema Star entfernt. Wen von den jetzt noch verbliebenen Kandidaten kanntet ihr vor einem Jahr? Vermutlich keinen einzigen.
Dann noch zum Thema Finale. Abgeleitet vom lateinischen Finis bedeutet es Ende. Streng genommen hoffe ich, dass es danach nie wieder eine Staffel von Let´s Dance, Superstar oder Dschungelcamp und weiteren geben wird. Doch leider geben der Erfolg und die Quote den Sendern Recht. Und nächstes Jahr gibt es neue Folgen und neue Kandidaten die mehr oder weniger ungelenk übers Parkett schweben, Lieder, die Klassiker sind in neuen ungeahnten Dimensionen verunglimpfen oder durch rumsitzen und Nichtstun im australischen Dschungel brillieren. Sprecht doch bitte lieber vom jeweiligen Staffelfinale. Und dass Jurymitglieder austauschbar sind beweist uns ja Herr Bohlen wunderbar. 5 Dirham für denjenigen, der mir ohne die Hilfe des Internets ALLE Jurymitglieder der vergangenen Staffeln von DSDS aufzählen kann.
Das sind nur ein paar Beispiele. Wenn ich bedenke, wie lang die Liste an Bespielen noch ist, fände ich überhaupt kein Ende. Allein die gesamte Formel 1-Saison, in der jedes Rennen einen anderen Titel hat. Oder die Boxkämpfe der Klitschko´s und Konsorten. Und, und, und.
Weniger ist manchmal mehr und morgen bleibt die Glotze aus!

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