Dienstag, 12. April 2011

Ich glotz TV

Jetzt kann ich endlich mitreden. Obwohl ich glaube, dass sich nach dem ersten Sturm der Entrüstung das ganze Thema schon wieder gelegt hat und bereits in den Alltag übergangen ist.
Wovon ich schreibe? Der tollen und groß angekündigten Doku-Serie „Boss Undercover“ die auf RTL im Montag Abendprogramm läuft.
Gestern habe ich mir (aus Ermangelung an Alternativen) zum ersten Mal dieses … Werk angesehen. Ich habe zwar schon das ein oder andere über dieses Format gehört, wollte mir jedoch selbst ein Bild von davon machen, bevor ich dazu ausführlicher schreibe, was eigentlich auch nicht geplant war. Aber was ich da gestern Abend gesehen habe schlägt dem Fass den Boden aus. Ja gut, das Format kommt aus Amerika. Nicht unbedingt ein Grund die Erwartungshaltung zu senken, aber man sollte auf keinen Fall zu viel davon erwarten. Der Umstand, dass es in Deutschland von RTL produziert wird macht das Ganze nicht besser. Also gut. Wer es noch nicht gesehen hat bekommt eine kurze Inhaltsbeschreibung. Ein Manager einer großen Firma möchte in einer Woche (5 Werktage) erfahren, was die Basis denkt, ohne das diese weiß, wer der neue Kollege ist. Das Kamerateam, das das ganze begleitet, ist für eine angebliche Doku über Wiedereingliederung o.ä. dabei.
Nun gut, ich wusste aus dem Nachmittagsprogramm, dass diesmal der Chef der Dixie-Toiletten „an die Basis“ geht und versuchen will seinen Betrieb besser kennenzulernen und zu erfahren, was dort alles getan wird und was die Mitarbeiter so denken. Natürlich mit einem tollen Decknamen, damit man auch nicht auf die Idee kommt wer das ist und ein Kamerateam ist auch nicht unbedingt zuträglich, wenn man eine ehrliche und offene Meinung haben will. Immerhin hängen die meisten der deutschen an ihrem Arbeitsplatz (sofern sie denn einen haben und nicht bei RTL im Nachmittagsprogramm ihr Geld verdienen, aber das ist ein anderes Thema) und wollen ihn nicht durch schlechte Publicity im Fernsehen, wo alle Mitarbeiter mit vollem Namen gezeigt werden, riskieren. Das Grundprinzip der Sendung ist vielleicht nicht ganz verkehrt – allerdings sollte man für einen gewissen Erfolg den Chef für 2 Wochen zur Basis tun, damit eine Art Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern aufgebaut werden kann, und die Kameras sollten dabei draußen bleiben. Um es auf einen Punkt zu bringen: Die Kommunikation zwischen Basis und Führung sollte auf einer offenen und ehrlichen Weise geführt werden. Mitarbeitermotivation ist (denke ich) eines der Schlagwörter, das in Deutschland schon lange nicht mehr beachtet wird – einige Mittelständische Unternehmen vielleicht ausgeschlossen. Meiner Meinung nach ist „Boss Undercover“ ein Format, das niemand braucht, außer RTL um sein Programm mit weiterem Sinnbefreiten Müll zu füllen. Manchmal komme ich mir bemitleidenswert vor, weil ich hier nur auf RTL, RTL2, ZDF und SF als deutschsprachige TV-Sender zugreifen kann. Andererseits ist es vielleicht auch ganz gut so, weil ich seitdem nicht mehr so viel TV schaue, wie noch in Deutschland, wo nahezu immer der Fernseher lief.
Noch ein Absatz zu RTL und seiner Sendung:
Soweit ich mich erinnern kann war die Leitung von RTL federführend bei der Kampagne gegen Raabs Veranstaltungen (Wok-WM, Turmspringen, etc.), dass er – bzw. ProSieben – seit geraumer Zeit nun „Dauerwerbesendung“ einblenden müssen. Das was ich gestern gesehen habe, war nichts anderes. Mir wurde eine Stunde lang (minus Werbeunterbrechungen) gezeigt, wie ein Dixie-Klo hergestellt, ausgeliefert sowie gewartet und gereinigt wird. Informationen die dabei übermittelt wurden? Ein Mitarbeiter hält den Chef also für zu alt um in der Produktion zu arbeiten. Mehr ist mir nicht hängen geblieben. Da wäre jeder Beitrag von „Der Sendung mit der Maus“ über besagte Firma besser und informativer gewesen als das gestern Abend. Um bei der Firma zu bleiben: Das war ein Griff ins Klo! Abgesehen davon wundere ich mich, dass RTL keine Einblendung von wegen „Dauerwerbesendung“ machen musste und über das allgemeine Niveau von RTL möchte ich mich (momentan) nicht weiter auslassen. Kommt vielleicht später nochmal in einem gesonderten Beitrag.
Ich hoffe nur, das dieses Format die erste Staffel nicht überlebt und ebenso schnell in der Versenkung verschwindet wie „Big Boss“ und andere erfolglos kopierte Konzepte aus den USA. Ein Jammer, das dieses Theater bei DSDS, Supertalent, Popstars und wie die ganzen Castingshows heißen funktioniert.

Keine Kommentare: