Donnerstag, 25. Oktober 2012

Gast-Blog die zweite: Urlaub meiner Eltern in den VAE


Plötzlich war es soweit – manchmal schleicht die Zeit und manchmal rennt sie – wir waren mit unseren Koffern auf dem Weg in die Vereinigten Emirate, um Bernhard zu besuchen und uns ein eigenes Bild von dieser doch etwas anderen Welt zu machen. Etwas mehr als 6 Stunden Flug lagen vor uns. Doch die waren bald überwunden und bei einem Tagesflug gibt es ja auch genug zum aus-dem-Fenster-sehen. Überrascht waren wir, daß um 19 Uhr in Abu Dhabi schon tiefe Nacht war, aber das unterstützte natürlich das Lichtermeer, das uns schon aus der Luft empfing. 
Völlig überrascht waren wir von der überwältigenden Freundlichkeit, die uns von allen, denen wir am Flughafen auf unseren Wegen bis zur Passkontrolle mit Visumerteilung, zum Gepäckband und durch den Zoll begegneten. Wir fühlten uns auch von völlig fremden Menschen willkommen geheissen. 
Schnell haben wir Bernhard in der Menschenmenge entdeckt und schnell waren wir auch mit der Hitzewand vor den klimatisierten Flughafengebäuden konfrontiert. Das war ein Unterschied von ca. 20 Grad zu Deutschland! Und eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Die sollte uns auch während des gesamten Aufenthalts die meisten Schwierigkeiten machen. Geschickt verstauten die Männer die Koffer im Auto, die dann vor dem Hotel von den Pagen ausgeladen wurden. Für jeden Handgriff gibt es einen, der ihn uns abnimmt, nichts muss man wirklich selbst tun. Ungewohnt, aber man könnte sich dran gewöhnen.
Abu Dhabi ist eine quirlige Stadt, die uns sehr gut gefallen hat. Neben der Moderne mit ihren Malls findet man durchaus auch ältere Gebäude, die liebevoll gepflegt werden – den morbiden Charme, den man den Arabern hier so nachsagt, haben wir in Abu Dhabi nicht gefunden. Fasziniert waren wir von Heritage Village, das für jedes alte Handwerk ein eigenes Haus bereithält, in dem auch noch wirklich nach alten Traditionen gearbeitet und gelebt wird. Und man kriegt nicht gleich den Eindruck, dass es nur ein Museumsdorf ist. 
Die selbstverständlich in großer Zahl vorhandenen Hochhäuser sind ansprechend gebaut und dekoriert – man könnte fast sagen: es macht Freude, sie anzusehen. Mal ist eines rund, mal ist es eckig (mit allen nur möglichen Ecken-Variationen), mal ist es schief geneigt wie der Schiefe Turm von Pisa, mal hat es noch andere Formen. Für uns unvorstellbar sind auch die Autostraßen: ganz normale Straßen durch die Stadt führen in jeder Richtung mindestens 2 Spuren! Zum Abbiegen sind es dann manches Mal bis zu 6 Spuren! Und alles ist begrünt – mit einem enormen Aufwand wird für die notwendige Bewässerung gesorgt – und nachts ist alles taghell beleuchtet. Welch eine Energieverschwendung!
Bei diesem Stichwort fällt sofort noch ein Phänomen ein: ein Auto fährt vor einem kleinen „Tante-Emma-Laden“ vor, hupt, es kommt jemand aus dem Geschäft gelaufen, der durch das Spaltbreit geöffnete Fenster einen Zettel erhält, verschwindet und kommt mit den bestellten Waren wieder zum Auto zurück. Und das alles nur, um nicht bei der Hitze aussteigen zu müssen, sondern mit laufendem Motor und funktionierender Klima-Anlage im Auto sitzen bleiben zu können.
Erwähnenswert ist auch unser Besuch in der „Großen Moschee“ - ein wahres Wunderwerk an Baukunst! Es ist müßig anfangen zu wollen, alle Superlative, die diese Moschee in sich birgt, aufzählen zu wollen. Nur soviel: sie ist die viertgrößte der islamischen Welt und – wir denken- in ihrem Prunk unübertroffen. 
Eine der tollsten Erfahrungen, die wir während unseres Aufenthalts machen konnten, war eine Wüstensafari mit Übernachtung. Die Fahrt durch die Dünen, oft hatte man fast Angst vor dem Umkippen des Geländewagens, war zwar mehr Klamauk – aber das gehört auch dazu. Und der obligatorische Kamelritt – wenigstens die letzten 500 Meter bis zum Camp – das musste wohl von der touristischen Erwartung her erfüllt werden. Aber völlig unerwartet war die freundliche Begrüßung, die liebevoll hergerichteten „Wohn- und Esszimmer“ auf zwei verschiedenen Teppichen  und dann das arabische Essen. Es war einfach nur ein Traum! Und trotzdem konnte das noch getoppt werden von dem dunkelblauen Nachthimmel mit den abertausenden von Sternen, die man sonst wegen der vielen Lichtquellen ringsum gar nicht wahrnimmt. Und diese Stille! Man konnte das Blut in den Ohren rauschen hören – so leise war es. Allerdings nur bis wir in unsere Feldbetten in den Beduinenzelten verschwanden. Dann machten uns die Antilopen und was sonst noch alles da herum schlich und -trampelte klar: das ist eigentlich unser Zuhause und wir dulden Euch hier nur!
Beim Frühstück am nächsten Morgen zeigten sie sich uns ganz nah, waren aber zum Glück noch nicht so verdorben, dass sie von unserem Frühstück etwas abhaben wollten.
Ein wunderbarer Anschluss an die Wüste war die Fahrt quer durch's Land und über das Hajjar-Gebirge nach Fujairah, das bei aller Urbanität auf uns den Eindruck eines leicht verschlafenen, in sich ruhenden Seebades machte. Wir konnten uns sehr gut vorstellen, dass Bernhard sich hier als Anfang seiner Zeit in den Emiraten sehr wohl gefühlt hat. Es fällt uns zur Beschreibung von dieser Stadt immer wieder der englische Ausdruck „cosy“ ein. Man konnte sich rundherum wohl fühlen.
Und eine Besonderheit der Emirate haben wir dort kennengelernt: die Bullenkämpfe, bei denen die Tiere völlig unblutig herauszufinden versuchen, wer von ihnen der Stärkere ist und wer wem zu weichen hat. Sehr beeindruckend!
Die nördlichen Emirate haben wir auch alle kurz kennengelernt und sei es nur dadurch, dass wir eine „All-Emirates-Tour“ gemacht haben, um mit dem größtmöglichen Umweg unter Abarbeitung der meisten Sehenswürdigkeiten endlich nach dem hochgerühmten Dubai zu kommen. Es tut uns wirklich sehr leid und wir entschuldigen uns bei dem Emirat Dubai – aber dort hat es uns nicht gefallen. Dort waren uns zu viele eintönige Hochhäuser, zu viele Baustellen – noch in Betrieb oder auch eingestellt – und die schon zur Gewohnheit gewordene Freundlichkeit haben wir leider auch nicht gefunden. Wir haben uns dennoch die Hauptsehenswürdigkeiten von Dubai angeschaut, haben als eines der „Must Do!“ den Burj Khalifa mit dem Lift erklommen und auf die Stadt heruntergeschaut, waren in den verschiedenen Soukhs und haben auch im Schatten des Burj Al Arab gesessen. Aber dann zog es uns wieder nach Abu Dhabi, wo wir die letzten Tage unseres Aufenthalts in einer anderen Welt sehr genossen haben. Lieb gewordene Plätze haben wir noch einmal besucht und als neuen Punkt noch den Yas Marina Circuit auf einer Rundfahrt über die Rennstrecke kennengelernt. 

Es waren wunderschöne Tage und wunderbare Erfahrungen, die wir in uns aufnehmen durften. Fast möchten wir uns wünschen, dass Bernhard noch ein bisschen länger in den Emiraten bleibt, damit wir noch einmal einen so schönen Ausflug machen dürfen.

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