Freitag, 12. Oktober 2012

Irrungen und Wirrungen

Es ist schon wieder Wochenende, mein Besuch am Flughafen und für mich geht es ganz normal weiter. Ich lese dies, wundere mich über das und bin entsetzt über jenes.

Heute ist mir aber fast das Mittagessen aus dem Gesicht gefallen. Die EU bekommt den Friedensnobelpreis!

Wofür? Hab ich mich auch gefragt... Zitat: "Für den Beitrag zu Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa.Ah, ja!

Friede - Stimmt, wir haben seit 67 Jahren keinen Weltkrieg mehr in Europa gehabt. In den 90ern hatten wir ja nur die Massaker im ehemaligen Jugoslawien, den Terror der ETA, Nordirland-Konflikt  und so weiter.

Versöhnung - Hmmm. Da wären die Griechen, die Hakenkreuz-Fahnen hissen und schwarz-rot-gold verbrennen, und sich beschweren, dass die "bösen Deutschen" angeblich versuchen ihnen aufzuzwingen, ihren lockeren Lebensstil aufgeben sollen. Oder die Spanier und die Basken. Briten und Iren (respektive Katholiken und Protestanten). Auch diese Liste ließe sich fortsetzen. Wenn man das ganze ins lächerliche ziehen wollte, könnte man es runter schreiben bis hin zu dem Konflikt zwischen Frankfurt und Offenbach!

Demokratie - Was soll man auch sonst machen. Die Monarchien in Europa sind mittlerweile nur noch obligatorisch und haben wenig bis gar nichts mehr zu entscheiden. Und im großen und ganzen hat sich das System bewährt. Auch wenn der Lobbyismus nervt, so wird man ihn auf einer Marktwirtschaftlichen Demokratie vermutlich NIE ganz verdrängen können. Somit hatte Pierce Brosnan in seiner ersten Rolle als Bond recht, als er sagte: "Regierungen wechseln, die Lügen bleiben die gleichen."

Menschenrechte - Hat man in Europa. Unbestritten. Aber der Unterschied zwischen Recht haben und Recht bekommen ist oftmals ziemlich groß!

Interessanter Weise habe ich kurz nach der Verkündung einen interessanten Beitrag auf Facebook aus der Schweiz (!) gefunden. Mein Bekannter Boni schrieb: "R.I.P. Friedensnobelpreis / 1901-2012 / seit 2009 auf der Intensivstation, bis man heute den lebenserhaltenden Maschinen den Saft ganz abgedreht hatWenn es nicht so ernst und traurig wäre, müsste ich fast lachen. Teilweise ist die Vergabe des Nobelpreises schon merkwürdig. Wichtige Persönlichkeiten wie Ghandi haben den Friedensnobelpreis nie erhalten, andere erhalten diese Auszeichnung für (Zitat): "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken"... Und das nach nur ein paar Monaten im Amt, als die Gefahr drohte, dass sich für seine Armee eine zweite, dritte oder vierte merkliche Schlappe geben würde. Kaum hatte man verkündet, dass die USA sich aus Afghanistan und dem Irak zurückziehen, bekam Obama den Preis verliehen. Vielleicht Vorschusslorbeeren, vielleicht Berechnung und gutes Marketing - Wenn man von sowas reden kann. Insgesamt ist die Liste der Würdenträger interessant zu lesen und meiner bescheidenen Meinung nach auch berechtigt, aber teilweise frage ich mich auch nach der weiteren Begründung und wer die Mitbewerber waren. Zum Nachlesen
Interessant auch 1988 - Die UN-Blauhelmtruppe. Okay, diese Armee hat den Auftrag der Humanitären Hilfe. Trotz allem ist und bleibt es eine Armee. Im genaueren Sinne ist es nicht mal EINE Armee, sondern der Verbund VIELER Armeen.
Ich bin allerdings auch der Meinung, dass ich die diesjährige Entscheidung (inklusive der Alternative Helmut Kohl als Preisträger) nicht gut finde und vermutlich nicht weiter verfolgen werde. Vielleicht nur noch den Nobelpreis der Literatur, wobei auch das nachlässt. Es gibt einfach fast keine Hemmingways mehr. Die Ausnahmen sind gering, aber in unserer schnelllebigen Zeit ist es fast kaum noch möglich ein gutes Buch zu finden, oder zu lesen.

Nur mal so nebenbei: Stand Oktober 2012 gibt es zu der Urkunde und der Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel auch noch 8 Millionen schwedische Kronen! Das sind zwar nur grob gerechnet 921.912 Euro, aber ich befürchte, dass wir nie erfahren werden in welchen Kanälen das Geld verschwindet. Aber ich bin mir sicher, dass es sich jemand gefallen lassen wird mit dem Geld.

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