Mittwoch, 14. September 2011

Denk ich an Deutschland, oder ein neuer Ritt mit dem Amtsschimmel

Ich weiß, warum ich nicht gerne reite. Der vielzitierte deutsche Amtsschimmel ist bockig, widerspenstig, eigenwillig und wirft einen vor jedem Hindernis ab.

Im Oktober 2010 startete ich den Versuch wieder in den Besitz meiner Fahrerlaubnis Klasse 3 für Kraftfahrzeuge bis 7,5 Tonnen zu gelangen und schrieb die Führerscheinstelle Frankfurt an, was man denn alles an Unterlagen dafür benötigen würde. Am  28. April 2011 (!) bekam ich dann eine erste Antwort Mit der amüsanten Einleitung, "Zunächst entschuldigen Sie bitte die sehr verspätete Antwort.". Naja. Ich meldete mich bei der guten Frau von entsprechender Behörde und teilte ihr mit, dass ich nicht mehr in Deutschland leben würde. Diesmal wurde schneller reagiert und ich erhielt am selben Tag eine Aufstellung, wie ich zum Beispiel ein Führungszeugnis im Ausland beantragen kann (Ich berichtete).  Ebenfalls erhielt ich eine Liste von Ärzten, bei denen ich meine nötigen Untersuchungen (G25 - Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten; Augenärztliches Gutachten; usw.) machen kann.

Als mein Urlaub dann in greifbare Nähe rückte kümmerte ich mich um Arzttermine und muss gestehen, dass ich es schon genial finde, wenn ich bei einer Augenärztin einen Termin ONLINE machen kann und diesen innerhalb weniger Minuten (trotz Urlaub der Praxis) bestätigt bekomme. Die Auswahl der Termine legte ich knapp hinter die Ankunft, aber mit genug Luft, um nach der Landung noch was mit den Leuten zu frühstücken, die mich am Flughafen abholten. Gute Idee, denn das Frühstück von LH verdient sich eigentlich keine Erwähnung. Der Terminkalender sieht für diesen Tag allerdings doch etwas straff aus. Geplante Landung um halb sieben, um 9 Uhr der erste Arzttermin, um 15 Uhr der zweite. Danach noch zu den Eltern und dort erstmal "ankommen". Aber alles klappte wunderbar. Der erste Arzttermin war richtig witzig. Die Untersuchung, ob ich zum fahren und Bedienen von Kraftfahrzeugen geeignet bin. Wenn man aus den Emiraten einen Termin vereinbart ist man ja schon mal was besonderes. So fragte mich auch die Ärztin, was ich denn in den Emiraten machen würde (Nach Begrüßung und frage nach meinem Namen). Als ich antwortete, dass ich dort bei der Feuerwehr arbeiten würde, nahm die Ärztin Ihren Fragebogen und hakte alle entsprechenden Fragen ab und meinte nur, dass die gesundheitlichen Anforderungen für die Tauglichkeit in meinem Job härter seien als in diesem Fragebogen und Sie keinerlei Bedenken habe. 10 Minuten später war ich wieder draußen. Wenn das so weitergeht, bekomme ich sogar noch im Urlaub meinen Lappen zurück. Am gleichen Nachmittag fast das gleiche Spiel beim Augenarzt. Allerdings brauchte ich da eine dreiviertel Stunde. Nachdem meine Schwester mich bei meinen Eltern abgesetzt hatte, begann die Suche nach den restlichen Unterlagen, die in den Umzugskisten eingelagert waren. Wir wurden auch relativ schnell fündig und ich fuhr am nächsten Morgen guter Dinge zur Führerscheinstelle nach Frankfurt, um dort sowas von verbal in die Fresse zu bekommen.

Nach gefühlten Stunden des Wartens, konnte ich endlich mal die Person auf dem Amt kennenlernen, mit der ich schon so viel gemailt und telefoniert hatte. Ich habe den schriftlichen Beweis, dass ich bereits in der zweiten Email geschrieben habe, dass ich nicht mehr in Deutschland gemeldet bin. Der einzige Kommentar, den ich jedoch auf dem Amt erhielt war (sinngemäß): Schön, dass Sie alle Unterlagen haben, aber wenn Sie nicht mehr in Deutschland gemeldet sind, können wir nichts für Sie tun! Die Gesetze hätten sich mit Wirkung zum 01.07.2011 so geändert, dass es nicht mehr möglich wäre Deutschen, die im Ausland leben, einen Führerschein auszustellen. Man verlangte weiterhin für eine erfolgreiche Beantragung eine schriftliche Meldebestätigung. - Also ab zum Bürgerbüro, um mich dort wieder anzumelden. Diese Behörde aber wollte eine schriftliche Bestätigung des Vermieters oder einen unterschriebenen Mietvertrag. Dies würde auch - grade bei aus dem Ausland wiederkehrenden Bürgern - scharf kontrollieren, um einen eventuellen Sozialmissbrauch zu vermeiden. Also war es das erstmal mit dem Traum, meinen Führerschein wieder zu bekommen.

Zurück bei den Eltern stieß die Reaktion des Amtes bei den Eltern auf Unverständnis, weil ich Ihnen ja auch zeigen konnte, dass ich schon geschrieben hatte, dass ich meinen Lebensmittelpunkt ins Ausland verlagert habe. Da der Mann meiner Mutter dies aber nicht glauben konnte/wollte, fuhren wir am nächsten Werktag zur Führerscheinstelle im Wohnort meiner Eltern. Dort erhielten wir die gleiche Aussage. Ich muss meinen Führerschein dort beantragen, wo ich meinen Lebensmittelpunkt habe - Also in den Vereinigten Arabischen Emiraten! Dies verneinten die "nette" Damen auf beiden Führerscheinstellen, denn in den VAE gibt es nur die Botschaft bzw. das Konsulat, welche aber nicht zur Ausstellung und/oder Beantragung von Führerscheinen berechtigt seien. Ich hätte nun also die Möglichkeiten mich wieder in Deutschland zu melden und meinen Lebensmittelpunkt für 180 Tage (mindestens jedoch 6 Monate) nach Deutschland zu verlagern, was auch überprüft werden würde (und mich in Deutschland steuerpflichtig machen würde); Oder in den VAE einen NEUEN Führerschein zu machen, was natürlich mit weiteren Kosten verbunden ist. Ich will und KANN gar nicht mehr zusammenrechnen, wie viel Geld ich mittlerweile in den Versuch investiert habe um meinen Führerschein in Deutschland wieder zu bekommen und jetzt darf ich - Dank des deutschen Amtsschimmel - nochmal rund 400-600 Euro für einen neuen Führerschein ausgeben. Mein Fazit dieses erfolglosen Ritts ist: Gott und der Welt wird in Deutschland geholfen und Puderzucker in den Allerwertesten geblasen, aber wenn ich als Deutscher Staatsbürger (im Ausland lebend) mal ein Anliegen habe, wird einem nur die Kalte Schulter gezeigt. Man könnte auch sagen: "Hilf dir selbst und dir wird geholfen" gilt nicht mehr. Mein Vertrauen in die deutsche Bürokratie wurde nur mal wieder erschüttert und ich versuche nun in den VAE an einen Führerschein zu kommen. Ich werde euch auf dem laufenden halten.

Keine Kommentare: