Man kann nur noch staunen, wenn man sich die Ticketpreise für einen Stehplatz im Fußballstadion ansieht. Dass die Plätze auf Haupttribüne und der Gegengrade etwas teurer sind, kann man mit der guten Sicht erklären. Weißwurst-Uli hat das ja mal vorgerechnet. Die teuren Business-Sitzplätze die günstigen Preise in der „Kurve“ (die heutzutage meistens grade ist) subventionieren. Wem das nicht mehr im Hinterkopf ist, hier nochmal das Video von 2007…
Mit Sicherheit hat Weißwurst-Uli ein wenig recht, aber was sich momentan am Ticketmarkt tut ist nicht mehr zu glauben. Ich bin selber noch vor ein paar Jahren noch für 10 MARK ins Stadion gekommen.
Die Aktion von letzter Saison, an der sich unter anderem die Ultra Szene Mainz (kurz USM) beteiligt hat, „Kein Zwanni fürn Steher“ konnte mich weder begeistern, noch konnte ich es ablehnen. Zum einen kann ich die Fans verstehen, die sich aufregen, wenn die Clubs dazu übergehen das Spiel gegen den eigenen Verein zu einem Topspiel ausrufen und einen entsprechenden Zuschlag für die Tickets verlangen.
Bei meinen Recherchen bin ich auf einige Vereine gestoßen, wo Vereine die Spiele kategorisieren. Am extremsten fiel mir das beim HSV auf. Dort gibt es 4 Kategorien von A bis D an die die Preise angepasst sind. Der FC Augsburg verlangt zwar für Topspiele auch einen Zuschlag, definiert aber klar, gegen wen diese Spiele sind, wogegen diese Definition bei anderen Vereinen fehlt. Augsburg verlangt den Topspielzuschlag nur bei den Partien gegen: Dortmund, Bayern München, Hamburg, Schalke und Nürnberg. Also bei 5 Spielen. Dies ist auf der anderen Seite auch schon fast ein Drittel aller Spiele in Ihrer ersten Erstligasaison…!
Ein Protest gegen überhöhte Ticketpreise und Topspielzuschläge find ich gut, aber die eigene Mannschaft bei einem Auswärtsspiel in der heißen Phase der Saison zu verweigern finde ich ein kritisches Zeichen. Es ist ja zum Glück für Mainz gut ausgegangen. Auf der dritten Seite steht der immer noch existierende Stadiontourismus und die Arena auf Schalke, oder wie das jetzt heißen mag, ist immer noch ein interessantes Ziel für solche Leute. Um zwei weitere Tourismusstadien zu nennen fallen mir auf Anhieb das Westphalen-Stadion und die Allianz-Arena ein. Auf internationaler Ebene Camp Nou oder Bernabeu, Wembley und so weiter.
Ich hab mir mal die Mühe gemacht und die Homepage eines jeden einzelnen Bundesligisten besucht um mir die Ticketpreise rauszusuchen. Es ist teilweise unglaublich, wie schwer es einem manche Vereine machen, die Ticketpreise für einen Stehplatz herauszufinden. Da gibt’s zwar bestimmt auch irgendwo eine Tabelle im Internet dazu, aber die Suche danach lieferte mir den Beweis, dass Google NICHT alles weiß. Ein gutes Gefühl, gehört aber nicht unbedingt hierher.
Wie ich allerdings die Ticketpreise gefunden habe, musste ich erstmal ein Stockwerk tiefer gehen, um meine Kinnlade wieder nach oben zu holen. Hierbei hat der HSV den Vogel abgeschossen. Für ein Topspiel (das vom Verein festgelegt wird) werden bis zu 19 Euro für einen Stehplatz vom Fan abverlangt. Ich vermute mal, dass sind dann internationale Spiele oder solche gegen die großen Bayern (den sogenannten Nord-Süd-Klassiker).
Von 18 Bundesligisten habe ich bei 4 Vereinen die Preise nicht gefunden oder sie sind nicht online, oder als Nicht-Mitglied nicht einsehbar. Darunter fallen der FC Bayern München, Nürnberg, Köln und der VfB Stuttgart, der momentan nur Dauerkarten anbietet in seiner Übersicht. Der Rest der Bundesliga verlangt für einen Stehplatz zwischen 6 und 19 Euro. Um einen Repräsentativen Preis für einen Stehplatz zu bekommen bin ich jeweils von den höchstmöglichen Preisen (ohne weitere Topspielzuschläge) genommen und lande bei einem Ligaweiten Durchschnittspreis von 13,93 Euro.
Aktuellster Aufreger bei einigen Fußballfans ist das bevorstehende DFB-Pokalspiel zwischen Heidenheim und Bremen, wo für ein Stehplatzticket 20 Euro + Gebühren + Porto verlangt wird. Dies brachte mich dazu brachte, diesen Blog zu schreiben.
Ich kann aber auch die Vereine verstehen. Es sind Wirtschaftsunternehmen, die (nach Möglichkeit) Gewinn erzielen sollen. Immerhin legt auch die UEFA/FIFA immer mehr Wert auf das sogenannte FINANCIAL FAIR PLAY, und wenn man nach Spanien oder Italien sieht, kann man langsam erahnen, in welche Richtung das geht. Und Kostenfaktoren gibt es genug. Die Mannschaft und der Betreuerstab will bezahlt werden, vom Stadion muß Miete oder eine Rate an den Bauträger bezahlt werden. Strom, Wasser, Mitarbeiter der Geschäftsstelle und so weiter. Auf der anderen Seite stehen nun mal wir Fans, die (teilweise) Woche für Woche ins Stadion pilgern. Eine Dauerkarte bietet zwar meistens einen finanziellen Vorteil, aber um die meisten Auswährtsfahrten mitmachen zu können, sollte man entweder einen gut bezahlten Job haben oder einen Finanzkräftigen Sponsor. Auch hier nochmal ein Dank an meine 05er, die oft genug etwas für die Fans organisieren, damit es nicht all zu teuer wird.
Abschließend will ich nur sagen, dass wir aufpassen müssen und uns mit den jeweiligen Vereinen an einen Tisch setzen müssen, damit Fußball als „Volkssport“ erhalten werden und bezahlbar bleiben kann und wir nicht alle zu Sitzplatz-Modefans werden, die über die 90 Minuten nicht einmal den Mund aufbekommen.
Dass dies allerdings auch anders funktionieren kann sah ich zuletzt im Stadion von Kalba (VAE), wo von den Sitzplätzen eine super Stimmung kam und man für 20 Euro auf einen VIP-Platz kam.
Kalba - Bani Yas
Kalba - Bani Yas

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen