Mittwoch, 4. Januar 2012

Geht ein Mann in eine Bar...

...dann kann er meistens was erzählen. Und die letzten Tage waren wirklich ereignisreich. Erst hatten wir den Einsatz auf dem Öltanker, von dem ich euch schon kurz berichtet habe. Dann kam mein Geburtstag - wo ich mich nochmals bei allen Gratulanten bedanken möchte -, Sylvester im Tennisclub mit Open-Air Party und DJ und Live Gesang von Lisa Peters. Ich kenne die gute Frau zwar nicht bewusst, aber angeblich hat sie gerade eine Nummer 1 in UK gehabt. Dann die erste Schicht im neuen Jahr mit kleiner Abschiedsfeier von Kay und dann war da gestern der Tag, wo wir Kay und Sabine zum Flughafen gebracht haben.
Eigentlich keine große Sache. 2 Personen mit viel Gepäck und ein paar Leute die mit wollen nach Dubai wollen, also 2 Autos mit je 3 Leuten. Das eine Auto fuhr noch über die Post, wir fuhren direkt los  in Richtung Dubai. Natürlich über die neue Strecke, damit die Beifahrer die Strecke auch mal im hellen sehen. Also sind wir über den neuen Highway auf die Sharjah-Kalba-Road in Richtung Dubai.
Der normale Verkehr ist mitunter schon anstrengend, aber gestern war mal wieder ein Höhepunkt. Bei Tempolimit 120 km/h gilt die Obergrenze von 140 km/h wonach geblitzt wird. Teilweise halten sich die Autofahrer dran (ich war gestern mit ungefähr 130 km/h im Schnitt unterwegs), andere... NICHT. Nachdem ein Stück weit zurück gelegt war und Dubai schon in erreichbare Nähe gerückt war, tauchte vor uns eine Gruppe Radfahrer mit 2 Begleitfahrzeugen auf. Ein kleiner Geländewagen mit Anhänger und Dachbalken und gelben Kennleuchten (als sogenannter Besenwagen) und ein Kleinbus für die "ausgestiegenen" Radfahrer. Ein großer Geländewagen der Marke Nissan hat die Gruppe wohl übersehen, denn ansonsten kann ich mir nicht erklären, wie man ungebremst in den Kleinbus fahren kann. Jedenfalls gab es einen großen Knall, der Bus fuhr unkontrolliert über alle Fahrspuren des Highway und der Geländewagen hob in einer großen Staubwolke ab und hat sich mindestens 2,5 mal überschlagen.
Sekundenbruchteile bei Tempo 130 ein paar Meter vor uns. Automatismen greifen. Warnung an die Beifahrer, Bremsen zu und Warnblinker an. ABS ist ne tolle Sache! Auf dem Seitenstreifen zum stehen gekommen und die "Routine" läuft an. Natürlich ist ein Einsatz (egal welcher Art) NIE Routine, aber man versucht halt doch professionell aufzutreten. Kurzen Überblick verschafft - Der Fahrer des Geländewagen kletterte selbstständig aus dem auf dem Dach liegenden Wrack seines Autos und ist relativ Blutverschmiert und orientierungslos. Um den muss man sich kümmern - 1 Mann gebunden. Problematisch wurde es, als wir feststellen dürften, dass der gute Mann kaum ein Wort Englisch sprach. Mein anderer Beifahrer kletterte über die Mittelabsperrung auf die gegenüberliegende Fahrbahn, weil dort der Beifahrer des Geländewagen lag. Mit schweren Verletzungen, die ich hier nicht weiter erwähnen will, aber ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass er echte Schmerzen hatte! Kurz wurde es laut, aber nur um mitzuteilen, dass doch der Notruf abgesetzt wird und mindestens 3 Rettungswagen - bzw. Ambulance-Cars - geordert werden.
An dem Minibus sah es nicht besser aus. Der Kofferraum war auf der rechten Seite des Autos nicht mehr existent. Bis zur Hinterachse das Auto zusammen geschoben und 2 Leute saßen noch auf den Rückbänken. Was überraschte war die Hilfs- und Einsatzbereitschaft der hinzukommenden "Ersthelfer". Mit vereinten Kräften wurde der Kofferraumdeckel geöffnet und die beiden Personen aus der Auto befreit. Auch die Betreuung der Verletzten war einigermaßen gut. Keiner saß oder stand lange irgendwo alleine.
Das Militär, dass in unmittelbarer Nähe stand, kam mit einem Geländewagen samt Sondersignalanlage dazu um die linke Spur Richtung Kalba/Fujairah (Also die Gegenrichtung)abzusperren, damit niemand den anderen Verletzten oder den unterstützenden Kollegen über den Haufen fährt.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann endlich mal Polizei und 3 Ambulance an und die Verletzten wurden unter den hier üblichen (meist unschönen) Bedingungen ins Auto eingeladen und in Richtung Krankenhaus transportiert. Auf diese Umstände will ich nicht weiter eingehen, ich hoffe nur diesen "Service" NIEMALS in Anspruch nehmen zu müssen.

 Irgendwann kamen wir dann auch - erstaunlicherweise mit mehr als genug Zeitreserve - am Dubai International an. Die Probleme durch eine überbuchte Maschine betrafen mich zwar nur peripher, waren aber trotzdem ärgerlich, da es doch auf die Gesamtstimmung überschlug. Schlussendlich haben wir die beiden aber doch in den Flieger bekommen. Danach mischten sich die Gruppen neu und ich fuhr mit einem Kollegen Richtung Dubai Mall, der Rest fuhr nach kurzem Aufenthalt am Flughafen zurück Richtung Fujairah. Und was soll ich sagen. Irgendwie ist Dubai Mall und Burj Khalifa doch immer wieder ein Erlebnis. Besonders, wenn man einen neuen Kollegen hat, der das alles bislang nur aus dem Flieger kannte. Dafür konnte er mir dann noch Sachen zeigen, die ich noch nicht kannte. Das neu eröffnete HARD ROCK CAFE DUBAI... Und Dank seiner "All Access"-Karte von Hard Rock gab es im Shop Rabatte und Priorisierte Platzierung im Cafe. Und wie die Jungs und Mädels sich überschlagen haben, als sie die Karte sahen. Wir haben in einem gut besuchten Cafe keine Minute auf einen Tisch gewartet und dürften ungefähr 5 Meter entfernt von der Bühne, auf der nach kurzem Warten auch eine sehr gute australische Live-Coverband auftrat.


Und trotz allem war ich froh abends wieder zu Hause zu sein und in meinem Bett zu liegen, denn ich bin schon wieder "Status 2 - Einsatzbereit auf Wache".

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