Gestern habe ich es endlich mal wieder geschafft und drehte
wieder eine Runde mit dem Rennrad durch die Emirate.
Ideale Bedingungen und
Lust war auch da. Also erst mal von Fujairah hoch ins Gebirge nach Masafi. Doch
wie lang nun weiter. Nach Dhaid in Richtung Westen und da dann weitersehen ob
es schon für die Rückkehr über Kalba reicht, oder nach Dibba im Norden und über
die Küste zurück nach Fujairah? Die dritte Variante die sich in Masafi bot, war
eigentlich nie eine wirkliche Option: Die unmittelbare Rückkehr nach Fujairah.
Das wären 30 weitere Kilometer gewesen, aber auch nur Bergab und ich wollte
mehr. Ehrgeiz pur. Vielleicht war es aber auch nur ein wenig Masochismus und
ich wollte mich quälen, weil ich so lange vorher nichts mehr getan hatte.
Nachdem ich meine Getränke aufgefüllt hatte ging es dann auf die ANGEBLICH 25
Kilometer nach Dibba. Ich hatte mich etwas gewundert, aber die Strecke kannte
ich noch nicht und ich glaube den Locals mal, die ich gefragt hatte. War auch
ganz gut so, denn die Strecke war doch "etwas" länger. Grob
überschlagen waren es 45 Kilometer. Aber eine ganz tolle Strecke. Teilweise nur
2 Spurige Straßen, aber hinter Masafi geht es dann relativ schnell wieder auf 4
spurige Straßen mit Mitteltrennung der Fahrbahnen.
Was ich auch erst gestern bei meiner Tour gelernt habe:
Wenn ein Auto einmal hupt bedeutet das: MACH PLATZ!
Wiederholtes hupen: Super was du da machst, mach weiter!
Auf der Strecke nach Dibba erlebte ich es sogar, dass ein in
Abu Dhabi zugelassenes Auto sich neben mich setzte, dass Fenster runterließ und
mich mit aufmunternden Worten versorgte, anfeuerte und mir eine Flasche Wasser
anbot. Dies konnte ich aber dankend ablehnen, da ich noch volle Flaschen hatte
und auch gerade erst von meiner kurzen Rast in Masafi aufgebrochen war.
Bei Gesamtkilometer 45
kam ich an einen Torbogen, der über die Fahrbahn gespannt war und daneben ein
Gefälle-Schild ohne Angabe. Die Art von Schildern steht hier recht häufig, auch
schon bei leichteren Steigungen beziehungsweise Gefällen. Auf den nächsten 2
Kilometern habe ich dann aber 170 Höhenmeter hinter mich gebracht und bei
Kilometer 57 war ich von 500 Höhenmeter (bei KM 50) auf 170 Höhenmeter runter.
Das war für mich der "Point of no Return". Ab hier gab es kein Zurück
mehr. Die Steigung wollte ich nicht nochmal hochfahren. Also gab es nur noch
einen Weg. Dibba und dann die Ostküste runter nach Fujairah, auch wenn ich
weiß, dass es keine kurze Strecke ist. Aber da ich mich dann auf der Strecke
auskenne, könnte ich mir ja ein Taxi rufen (oder einen netten Kollegen, der das
gestern Abend angeboten hat) und mich einsammeln lassen. Aber das ist nur eine
Option bei technischem Defekt, Wetterumschwung oder Absolutem
Motivationsverlust. Aber soweit ist es noch nicht. In Dibba erstmal eine kleine
Mittagspause eingelegt, weil ich nicht mit einer so großen Tour gerechnet hatte
und auch nur begrenzte Verpflegung mit hatte. Das was ich allerdings bislang
von Dibba gesehen habe ist schön. Ich wollte da zwar nicht wohnen oder
arbeiten, aber mal ein Tag dort verbringen kann ich mir ohne Probleme
vorstellen. Was machen meine Wasservorräte? Noch gut im Rahmen. Aufgefüllt wird
wieder an der Tankstelle in Al Aqah - 20 Kilometer. Was bis dahin war ist
schnell beschrieben. Durch Dadna - Warum da ein Ort steht, weiß vermutlich
niemand außer dem Allmächtigen selber. Aber ich muss ja nicht hin, sondern nur
durch. Trotzdem wurde es hier ein wenig weniger schön mit dem Radfahren, weil
sich Wolken vor die Sonne schoben und es deutlich abkühlte. Noch ein paar
kleine Hügel und da erschein hinter der vorerst letzten Kuppe das Le
Meridien-Hotel in Al Aqah. Tankstelle -
Wasser! Und was mir auch erst jetzt aufgefallen ist -obwohl ich vor kurzem
öfter in dem Ort war- ist die Baustelle direkt neben der Tankstelle. Wenn ich
es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass da eine Kirche gebaut wird. Die Form
des Gebäudes deutet zumindest darauf hin. Ich lasse mich überraschen. Und ab Al Aqah sind es noch 45 Kilometer bis nach
Hause. Wenigstens etwas, was ich weiß. Die Motivation ist zwar seit Dadna im
Keller, aber es liegt kein technischer Defekt vor und das Wetter hat sich auch
nicht drastisch verändert. Ich fahr auf jeden Fall erstmal weiter bis zum
nächsten Ort (Bidiyah) wo die älteste Moschee der Emirate steht. Dort
angekommen, wollte ich aber bis Khor Fakkan, dass mein Kollege oder das Taxi
nicht so lange brauchen, bis ich eingesammelt werden kann. Was mir zwischen den
2 Stationen durch den Kopf ging kann ich zwar erzählen, aber nicht begründen.
Es handelt sich dabei um einen Ausschnitt aus dem Tarantino-Film "Pulp
fiction". Ich meine die Stelle, wo Marcellus Wallace zu Butch seine kleine
Ansprache hält. "Du wirst einen kleinen Stich im Kopf merken. Das ist der
Stolz." - Der hat ja keine Ahnung...! Es sticht in den Armen und auf dem
Sattel. Aber von Khor Fakkan ist es auch nicht mehr weit bis Fujairah. Also
nochmal die letzten Kraftreserven aktivieren und dem Stolz sagen, dass er
gerade so gut mit der Motivation zusammenarbeitet, dass man die letzten paar
Kilometer auch noch so schafft. Und weiter ging es. Sehr schnell kam ich zur Universität
von Khor Fakkan, kurz drauf nach Mirrba und Quraya und als die Öltanks von
VOPAK und der Hafen von Fujairah zu meiner linken auftauchten war ich glücklich
und stolz auf mich die Tour geschafft zu haben. Als Einzelfahrer ist das ja
immer so ein kleines Problem. Mit Gesellschaft hätte ich vermutlich auch nicht
6 Stunden für die 130 Kilometer gebraucht, sonder etwas weniger. Man hätte sich
gegenseitig Windschatten spenden können, oder mal miteinander quatschen und
sich anfeuern.
Einen kleinen Wermutstropfen gab es dann aber noch. Kurz
bevor ich nach Hause abbiegen konnte, wollte ich in das kleinste Kettenblatt
schalten, weil das der Untergrund erfordert und mir springt die Kette vom Blatt
und verhakt sich. Beinahe gestürzt, konnte aber noch alles abfangen. Ist also
alles gut gegangen und jetzt schauen wir mal, wann es wieder weitergeht und wo
ich dann lang fahre. Die Übersicht der Radtour von gestern findet ihr unter: DIESEM LINK ZU GARMIN
Nur schön, dass ich die Ereignisse von vor einer Woche
komplett ausblenden konnte.
Ich halte euch weiterhin auf dem laufenden.
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